Natuerliches Leder.jpg

 LEDER GLOSSAR

LEDER IST NICHT GLEICH LEDER

Kurze Erläuterungen zum Thema Leder, von Alaungerbung bis Zurichtung.

Dieses Leder Glossar bietet kurze Begriffserklärungen zum Thema Leder und den wichtigsten Lederarten. Ein Leder-Lexikon von Alaungerbung, über Spaltleder bis Zurichtung.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A

 

ALAUNGERBUNG

Alaungerbung ist ein altes Gerbverfahren, das Lederhäute auf der Basis von Aluminiumsalzen konserviert. Alaun gegerbtes Leder ist weiß. Das Verfahren wird deshalb auch als Weißgerbung bezeichnet. Weißgegerbtes Leder ist sehr empfindlich, da die Gerbstoffe ausgewaschen werden können. Deshalb wurde das Verfahren durch andere Mineralgerbungen, wie Chromgerbung, fast verdrängt.  

ALTGEGERBTES LEDER

 

Altgerbung ist eine Form der vegetabilen (pflanzlichen) Gerbung, wobei die Gerbstoffe durch natürliche Substanzen, wie Holzrinde bereit gestellt werden. Charakteristisch für Altgerbung ist der Einsatz von bspw. Eiche oder Fichte. 

ANILINLEDER

 

Anilinleder sind farblich naturbelassene oder durchgefärbte Glattleder ohne oberflächliche Pigmentierung auf der Narbenseite. Das charakteristische Merkmal von Anilinleder ist das deutlich erkennbare und ursprüngliche Porenbild. Da die Struktur der Lederoberfläche unbearbeitet ist, fallen optische Makel schnell ins Auge. Für Anilinleder eignen sich daher nur makellose Häute. Dieses Leder gilt deshalb als besonders hochwertig und ist vergleichsweise teuer. 

Anilinleder kann oberflächlich behandelt sein, um ihm wertvolle Eigenschaften wie Wasserresistenz zuzuweisen. Allerdings darf die Zurichtung keine Pigmente enthalten. Leder mit dünner oberflächlicher Pigmentierung, die eine klare Porenstruktur erkennen lassen, bezeichnet man als Semianilinleder

B

 

BIOLEDER

 

Der Begriff "Bioleder" wird verwendet für besonders ökologisch bzw. nachhaltig erzeugtes Leder. Andere Begriffe in diesem Zusammenhang sind "Ökoleder", "Naturleder" oder "natürliches Leder". Meist findet man derartige Termini in Verbindung mit pflanzlich gegerbtem Leder. Klar definiert oder festgelegt sind diese Begriffe allerdings nicht. 

Damit ein Leder wirklich nachhaltig ist und als Bio- oder Ökoleder gewertet werden kann, muss es sich an verschiedenen Kriterien messen lassen. Nachhaltiges Leder sollte unter ökologischer Tierhaltung (Weidetierhaltung) möglichst transparent und ressourcenschonend erzeugt werden.  Dazu zählen sowohl der sparsame Einsatz von Gerbstoffen und Wasser als auch eine möglichst effiziente und umweltfreundliche Lederproduktion. Wirklich nachhaltiges Leder ist verträglich für Mensch und Natur. Dazu zählen auch die Arbeiter in den Gerbereien und Manufakturen. Ein zentraler Aspekt von Öko- oder Bioledern sind deshalb faire und angemessene Arbeitsbedingungen. 

BLANKLEDER

Blankleder ist pflanzlich gegerbtes Leder vom Rind, Bullen oder Kalb mit einer Stärke von mindestens 2,5 mm. Blankleder ist damit extrem dick und daher besonders widerstandsfähig und robust. 

C

 
 

CHROMGERBUNG

Chromgerbung ist eine Form der mineralischen Gerbung. Als Gerbstoff werden verschiedene Chromverbindungen, wie Chrom-III-Sulfat (Cr2(SO4)3) und Chrom-|||-Oxid (Cr2O3) verwendet. Die Chromgerbung ist extrem effizient. Sie bedarf nur weniger Tage was ein erheblicher Vorteil gegenüber Altgerbung bzw. pflanzlicher Gerbung ist. Zudem ist Chromgegerbtes Leder aufgrund des geringeren Anteils von Gerbstoffen deutlich leichter als vegetabil gegerbtes Leder. Leder aus Chromgerbung ist extrem strapazierfähig, reißfest, lässt sich hervorragend weiterverarbeiten und transportieren. Dies sind wesentliche Gründe, warum Chromgerbung den Ledermarkt dominiert.

Obwohl Chromgerbung verschiedene Vorteile vereint, gibt es auch negative Aspekte dieser Gerbungsform zu betrachten. Richtig ausgeführt und unter Beachtung von umwelttechnischen Aspekten kann Chromgerbung nachhaltig sein. Ist der Ursprung des Leders allerdings nicht bekannt, besteht gerade bei günstigem Leder das Risiko der Produktion unter schlechten Bedingungen in Niedriglohnländern. Fehlende Schutzausrüstung und dauerhafter Kontakt zu Chemikalien widersprechen dem Gedanken von Nachhaltigkeit für Mensch und Natur. Zudem können durch unsachgemäße Gerbung (z.B. falsch eingestellte Tempertaturen oder pH-Werte) giftige Chrom-VI-Verbindungen durch ungewollte Redoxreaktionen im Leder entstehen. Genauso können Chrom-VI-Verbindungen durch schlechte und kontaminierte Gerbmischungen in das Leder geraten. 

Die Chrom-VI-Verbindungen gelten als mutagen und kanzerogen, Zudem können die Verbindungen leicht in die menschliche Epidermis geraten, wo sie durch weitere Reaktionen unter Bildung von Chrom-III-Verbindungen Proteinkomplexe bilden, die als Auslöser von Kontaktallergien gelten. Diese Risiken werden durch nachhaltig und rein pflanzlich gegerbtes Leder unterbunden. 

D

 

DICKLEDER

Dickleder ist Leder, meist vom Bullen oder dem Rind mit einer Mindeststärke vom 1,4 mm. 

E

ECO-LEDER

 

Eco-Leder ist ähnlich wie Bio- oder Ökoleder ein Begriff zur Kennzeichnung von nachhaltigem Leder. Auch dieser Begriff ist nicht klar definiert.  Eco-Leder sollte daher immer anhand verschiedener Kriterien, wie Transparenz, Tierzuch, Gerbverfahren und Produktion sowie Arbeitsbedingungen geprüft werden.

F

 

FETTEN

Fetten beschreibt die Lederpflege bzw. -behandlung mit Fetten oder Ölen, um das Leder geschmeidig zu halten und es zu imprägnieren. 

FETTGERBUNG

Fettgerbung ist ein Oberbegriff für reversible Gerbverfahren, bei denen die Gerbwirkung durch fettreiche Verbindungen des genutzten Tieres erwirkt wird. Dies ist eine alte und traditionelle Form der Gerbung, meist auf Grundlage von Tran, Talg oder Hirn. Die Gerbstoffe gehen keine chemische Bindung mit den Hautfasern ein, sodass die Gerbwirkung reversibel ist. Die Gerbstoffe sind auswaschbar. 

 

FETTLEDER

Fettleder sind Häute auf Basis von Glattleder oder Nubuk, die im einer wachsartigen Schicht versehen sind. Diese Schicht gewährleistet die Imprägnierung des Leder und sorgt bereits nach kurzer Zeit für eine ausgeprägte Patina / Gebrauchsspuren. 

 

FLEISCHSEITE

Die Fleischseite ist die raue, dem Fleisch zugewandte Seite des Leders. Die Fleischseite wird auch als Aasseite bezeichnet. Ihr gegenüber liegt die Narbenseite, die äußere Oberfläche der Lederhaut mit erkennbarem Porenbild. 

FLEISCHSPALT

Der Fleischspalt ist ein Spaltleder. Der Fleischspalt entsteht bei der horizontalen Teilung (Spaltung) der Lederhaut. Dieser Vorgang dient der Produktion dünnerer, leichterer und flexiblerer Leder mit einer Dicke von max. 1,2 bis 1,5 mm. Der Fleischspalt stammt aus dem Teil der Haut, der dem Fleisch zugewandt war. 

FULL-GRAIN

Full-Grain-Leder, Vollnarbenleder, vollnarbiges Leder sind Synonyme und bezeichnen Glattleder aus dem Narbenspalt ohne Anschliff. Bei Full-Grain bleibt die ursprüngliche Porenstruktur inklusive Unregelmäßigkeiten erhalten.  Das Leder aus dem Narbenspalt gilt als besonders strapazierfähig und hochwertig. 

 

G

 

GERBEN / GERBUNG

Die Gerbung ist der zentrale Prozess in der Lederherstellung und dient der Konservierung der Lederhäute durch den Einsatz von Gerbstoffen. Diese Gerbstoffe lagern sich in der Haut an, verhindern die Zersetzung der Haut durch Mikroorganismen sowie die die Verhärtung der Haut durch Verklebung des darin enthaltenen Kollagens. Es gibt unterschiedliche Formen der Gerbung, die je nach dem, ob sie eine chemische Bindung mit den Hautfasern eingehen als "echte" oder "unechte" Gerbung bezeichnet werden. Unechte Gerbung ist reversibel, echte Gerbung nicht. Die nachstehende Abbildung gibt einen Überblick über verschiedene Gerbmethoden.

 
Lederarten, Schema, Übersicht Leder

Zur Gruppe der irreversiblen Gerbeverfahren zählen neben der mineralischen Gerbung mit Verbindungen (Salzen) von Chrom, Titan oder Eisen auch die Synthetische Gerbung mit z.B. Formaldehyd oder die pflanzliche (vegetabile) Gerbung. Häufig finden auch Mischgerbungen aus z.B. Chromgerbung und vegetabiler Nachgerbung Anwendung. 

Zu den reversiblen Gerbmethoden zählen die Alaungerbung auf Basis von Aluminium und die Fettgerbung, basierend auf inhärenten tierischen (fettreichen) Verbindungen, wie Hirn, Talg oder Tran. 

GLATTLEDER

Glattleder sind Leder aus dem Narbenspalt, die mit sichtbarer Narbenseite verarbeitet werden. Das Leder wird also mit der Narbenseite nach außen verarbeitet. Zu den Glattledern zählen z.B. Anilinleder, Semianilinleder oder pigmentiertes bzw. gedecktes (pigmentiertes) Glattleder. 

J

 

JUCHTENLEDER

Juchtenleder (nicht Jurtenleder) ist ein pflanzlich gegerbtes Leder vom Rind mit hoher Stärke. Das Leder entsammt dem russischen Raum und wird traditionell mit Weide oder Birke gegerbt. 

K

KERNSPALT

 

Der Kernspalt ist ein Spaltleder. Dieses Leder geht aus der Spaltung von Häuten hervor, um besonders dicke Häute in Leder von handhabbarer Dicke zu verwandeln. Besonders dicke Häute werden nicht nur ein Mal gespalten (Narbenspalt und Fleischspalt), sondern 2 Mal. Infolgedessen entsteht aus der Mittelpartie der Kernspalt bzw. Mittelspalt. 

M

 

MIMOSA-RINDE

Rinde von Akazienbäumen (Acacia negra, Acacia mollisima)  aus Südostasien, Brasilien und Afrika. Die Rinde der Akazie besitzt einen hohen Gerbstoffanteil von mehr als 30 % und eignet sich hervorragend für vegetabile Gerbung. Die Gerbung mit Mimosa führt zu einem hellen und festen Leder mit leichtem Rotstich, das mit der Zeit nachdunkelt. 

 

N

NAPPA-LEDER

Der Begriff Nappa steht für sehr weiches, vollnarbiges Leder. Es handelt sich um Glattleder - Leder, das mit der Narbenseite nach außen verarbeitet wurde. Hierzu zählen weiches Anilin- oder Semianilinleder

NARBENLEDER

Narbenleder bezeichnet alle Leder mit vorhandener Narbung, wie Anilin, Semianilin, Full-Grain oder pigmentierte Glattleder aus dem Narbenspalt. Ebenso zählen Leder mit korrigierter Narbung, dazu. 

NARBENSPALT

Der Narbenspalt geht aus der Spaltung von Lederhäuten hervor. Es handelt sich um den äußeren Teil der Haut mit dichterem und festerem Fasergefüge. Der Narbenspalt gilt als fester und strapazierfähiger als der Fleischspalt und ist deshalb hochwertiger. Charakteristisch für den Narbenspalt sind die erkennbare Porenstruktur auf der glatten Narbenseite und die raue Oberfläche auf der Fleischseite. 

NATURLEDER

Naturleder oder Bioleder, Ökoleder ist natürlich - auf Pflanzenbasis - gegerbtes Leder. Anstelle von Mineralien oder synthetischen Gerbstoffen kommen natürliche Substanzen, wie Holzrinde von Eiche, Fichte, Birke, Mimosa oder Quebracho zum Einsatz. Jede Gerbmischung verleiht dem späteren Naturleder spezielle Eigenschaften unter Beeinflussung von Festigkeit, Haptik, Geruch oder Farbe. 

NUBUK

Nubuk ist auf der Narbenseite angeschliffenes Leder, das durch den Prozess ganz eigene Samtigkeit erhält. 

 

O

 

ÖKOLEDER

Ökoleder ist genauso wie Naturleder, Bioleder oder Eco-Leder ein Begriff zur Bewerbung von besonders nachhaltig und umweltfreundlichem Leder. Meist ist der Begriff "Ökoleder" in Verbindung mit natürlicher Gerbung auf Pflanzenbasis, sprich Altgerbung oder vegetabiler Gerbung , anzutreffen. 

P

 

PFLANZLICHE GERBUNG

Pflanzliche Gerbung, natürliche Gerbung, Altgerbung, Lohgerbung bezeichnen echte Gerbmethoden zur Konservierung des Leders auf Basis von natürlichen Substanzen, wie Holzrinde. Beliebt sind der Einsatz von Eiche und Fichte sowie Mimosa, Kastanie oder Quebracho. Jede Gerbsubstanz verleiht dem Leder spezifische Eigenschaften. 

 

PULL-UP

Pull-up-Leder ist ein Fettleder mit angeschliffener Oberfläche (Nubuk), das sehr schnell eine charakteristische Patina entwickelt. 

Q

 

Quebracho

Quebracho ist eine südamerikanische Baumart mit hohem Gerbstoffanteil von mehr als 20 %. Mit Quebracho gegerbtes Leder ist fest, hat eine hohe Zähigkeit und dunkelt im Laufe der Zeit nach. 

 

R

RAULEDER

 

Der Begriff Rauleder stet für oberflächlich angeschliffene Leder. Hierzu zählen Nubuk oder Veloursleder.

S

 

SEMIANILINLEDER

 

Semianilinleder sind Glattleder mit dünner oberflächlicher Pigmentierung auf der Narbenseite, die das Porenbild klar erkennen lässt. Damit unterscheidet sich Semianilinleder von Anilinleder ohne eine Form von oberflächlicher Pigmentierung.

SPALTLEDER

Dicke Lederhäute werden vertikal (entlang Ihrer Dicke) gespalten, um dünnere und geschmeidigere Leder hervorzubringen. Dieses gespaltene Leder bezeichnet man als Spaltseher, siehe Narbenspalt, Fleischspalt und Kernspalt

SYNTHETISCHE GERBUNG

Diese Form der irreversiblen Gerbung basiert auf dem Einsatz synthetischer Gerbmittel, wie z.B. Formaldehyd. Synthetische Gerbung wird häufig im Kombiverfahren mit Chrom- oder vegetabiler Gerbung eingesetzt. Rein synthetisch gegerbtes Lede besitzt eine hohe Empfindlichkeit gegen Feuchte. 

T

 

TANNINE

Als Tannine bezeichnet man die pflanzlichen Gerbstoffe, die bei pflanzlicher Gerbung eine Konservierung der Lederhäute bewirken. Das am häufigsten in Pflanzen vorkommende Monomer ist die Gallussäure. 

V

 

VEGANES LEDER

Veganes Leder ist per Definition kein Leder, da es auf nicht-tierische Substitute wie z.B. Kunststoffe zurückgreifet. 

VEGETABILE GERBUNG

Vegetabile (pflanzliche) Gerbung ist ein Gerbverfahren auf Basis natürlicher Substanzen. Diese echte Gerbung setzt auf die Wirkung von Tanninen, den natürlichen Gerbstoffen in z.B. Holzrinde von Eiche, Mimosa oder Quebracho.

Z

ZURICHTUNG

 

Der Begriff Zurichtung oder Finish beschreibt Maßnahmen / Arbeitsgänge zur Erreichung einer bestimmten Oberflächenoptik und Haptik des Leders. Hierzu zählen neben der Pigmentierung auch die Impregnierung oder Behandlung mit Wachs sowie das Prägen ganz bestimmter Muster. 

 

Schlusswort

Dieses Glossar bzw. Lexikon wird stetig erweitert und gepflegt. Die Zielsetzung dieses Werkes besteht in kurzen, prägnanten Erläuterungen zu wichtigen Begriffen rund um das Thema Leder. Das Glossar ist sicher nicht vollständig, denn in der komplexen Lederwelt mit seiner Fachsprache und Bezeichnungen kann man ganze Bücher füllen. Wenn Du Anregungen oder Fragen hast, dann schreib uns einfach. Am besten nutzt Du das Kontaktformular